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Radio Slovakia International Nachrichten vom 02.01.2006
Weniger russisches Gas in der Slowakei
Neujahrsrede des Staatspräsidenten – kritisch und scharf
Sieben Tschechen von Lawine getötet
Weniger russisches Gas in der Slowakei Der russische Konzern Gasprom hat am Neujahrstag die Erdgaslieferung an die Ukraine eingestellt. Von dem Lieferstopp sind auch EU-Staaten betroffen, darunter
auch die Slowakei. Laut Korrespondenten des russischen Fernsehsenders NTV, der die Situation in Velke Kapusany in der Ostslowakei verfolgte, seien in der Slowakei um 350 Tausend Kubikmeter weniger
russisches Gas angeliefert worden. Dana Krsakova, Sprecherin der Slowakischen Gasindustrie – SPP bestätigte den Druckabfall im Gasnetz. Der ehemalige Chef von SPP Arpad Demko meint, die Erdgaslieferungen
nach Europa seien nicht bedroht.
Zu viel Kritik in der Neujahrsrede des Staatspräsidenten Die Koalitionsvertreter sind der Meinung, dass die Neujahrsrede des Staatspräsidenten Ivan Gasparovic
kritischer und schärfer, als die vom Vorjahr war. U. a. sagte er, die Soziallage der Bürger sei durch die Rechtsreformen noch schlimmer. Im weiteren kritisierte er auch die alljährliche Preiserhöhung von
Elektrizität, Gas, Wasser und Wärme. Einer scharfen Kritik unterzog Präsident Gasparovic auch die Politiker, die ihre Zeit und Energie oft für schädliche politische Spiele verschwenden. „Die politischen
Turbulenzen sind in der Slowakei schon Alltagsrealität,“ stellte Gasparovic in seiner Neujahrsrede fest. Für das Wahljahr 2006 wünschte der Staatspräsident dem ganzen Lande, dass die politischen Parteien
den Wählern entsprechende Aufmerksamkeit widmen würden.
Sieben Tschechen von Lawine getötet Am Silvestertag wurden in der West-Tatra 8 tschechische Touristen von den Schneemassen
mitgerissen. Einer konnte sich retten, sechs weitere Männer und eine Frau wurden jedoch tot aufgefunden. Das Unglück ereignete sich in Spaleny zlab, wo die Tschechen biwakierten. Laut Angaben des
Bergrettungsdienstes begingen die jungen Leute einen groben Fehler, denn im ganzen Gebiet wurde die 4. Stufe der Lawinengefahr erklärt.
Hohe Staatsauszeichnungen für slowakische Persönlichkeiten
Am Sonntag, dem 1. Januar, hat das Staatsoberhaupt Ivan Gasparovic in der Bratislavaer Burg 20 Persönlichkeiten des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens mit höchsten Staatsauszeichnungen
verliehen. Das Pribina-Kreuz II. Grades wurde u. a. dem Theatermacher Stanislav Stepka, der Präsidentin der Liga gegen Krebs Eva Siracka sowie dem Juristen Karol Plank in memoriam erteilt. Das
Milan-Rastislav-Stefanik-Kreuz übernahm der junge Polizist Ivan Sihelsky, der nach der Explosion einer Gasflasche in der Grundschule in Lucenec 60 Kinder rettete.
Slowakei zum Mitglied des UNO-Sicherheitsrates Am 1. Januar 2006 ist die Slowakische Republik zum nichtständigen Mitglied des UNO-Sicherheitsrates geworden. Innerhalb der nächsten 2 Jahre möchte
sich die slowakische Diplomatie auf die Situation im Kosovo, auf Zypern, in Ost-Europa sowie im Nahen Osten konzentrieren. Im Februar 2007, wenn die Slowakei den Vorsitz im UNO-Sicherheitsrat inne haben
wird, möchte sie eine Diskussion über die Koordinierung der internationalen Organisationen im Sicherheitsbereich initiieren. Zum Mitglied des Rates wurde die Slowakei am 10. Oktober 2005 gewählt.
Das Wetter am Dienstag: Schneefall, in den Niederungen Regen. Frühtemperaturen zwischen -4 und +1, Tageshöchstwerte -2 bis +3 Grad.
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Tagesthema
Neujahrsrede des Staatspräsidenten Ivan Gasparovic
Geehrte und liebe Mitbürger! Heute ist der erste
Neujahrstag und ich möchte diese Gelegenheit nützen, um sie als Präsident und Mitbürger herzlich zu begrüßen und ihnen allen Gesundheit, Friede und Liebe sowie gegenseitiges Verständnis und Hoffnung auf
bessere Zukunft zu wünschen.
Am heutigen Tag blicken wir auf das vergangene Jahr zurück. Es war unumstritten ein sehr anspruchsvolles Jahr. Als EU- und NATO-Mitglied festigte die Slowakei ihre
Position auf der Bühne der Weltpolitik. In Kürze wird die Slowakei zum nichtständigen Mitglied des UNO-Sicherheitsrates, dem bedeutendsten Exekutiv-Organ der Weltgemeinschaft.
Dagegen ist es auf
heimischem Boden einiges aufzuholen. Viele Bürger befinden sich in einer schweren sozialen Lage oder kämpfen mit einer Krankheit. Mehrere Schritte der Reform des Gesundheits- und Pensionssystems haben
vielen Menschen ihre Lebenslage kompliziert. Jedes Jahr werden die Energiepreise höher, wobei die erhöhten Kosten der Anbieter in Acht genommen werden, die Einkommen der Bevölkerung jedoch nicht. Infolge
der Reformen stieg die Armut – als Folge des Versagens der Gesellschaft. Es ist leider noch nicht gelungen, die Schutzfunktion des Staates mit der Motivation der Menschen in materieller Not
zusammenzuknüpfen.
Das Jahr 2006 ist in der Slowakei ein Wahljahr. Es werden Parlaments- und Kommunalwahlen stattfinden. Ich wünsche uns, daß die politischen Parteien dem Wähler entsptrechende
Aufmerksamkeit widmen würden. Sonst könenn wir Zeugen einer ähnlichen Situation werden, wie es bei den Wahlen in die höheren Gebietseinheiten der Fall war. Sie waren ein klares Zeugnis des Versagens von
Politikern.
Die politischen Turbulenzen sind in der Slowakei schon Alltagsrealität. Das vergangene Jahr brachte leider keine positive Änderung im Bereich der politischen Kultur, im Gegenteil -
die Moral verkam noch weiter. Wie anders als Verfall der parlamentarischen Demokratie könnte ein solcher Stand genannt werden, wenn die verabschiedeten Gesetze vom Willen der unabhängigen Abgeordneten,
die niemanden vertreten und niemandem verantworlich sind, abhängen. Dies ist ein ernsthaftes Problem, das durch Verfassungsänderungen gelöst werden muß.
Ich wünsche Ihnen, liebe Mitbürger, daß
Hoffnung und Mut in ihrem Leben auch das ganze Jahr 2006 über anwesend sein wären.
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